Süssigkeiten, die Kindern das Rauchen beibringen

Kennen Sie Kaugummi-Zigaretten? Vielleicht haben Sie schon einmal davon gehört oder sie sogar als Kind gekaut. Aber wussten Sie, dass man sie heute in der Schweiz noch immer an vielen Kiosken und in vielen Geschäften kaufen kann?

Diese Produkte, die explizit Zigaretten imitieren, werfen jedoch wichtige Fragen auf. Denn hinter ihrer scheinbaren Unschuld verbirgt sich eine Banalisierung des Rauchens bei Kindern.

Wovon sprechen wir genau?

Das Konzept ist ganz einfach: Es handelt sich um Kaugummis oder Pralinen, die wie Zigaretten verpackt sind. Sie werden in Pappschachteln verkauft, die bewusst klassische Zigarettenpackungen imitieren.

In manchen Fällen sind die «Zigaretten» sogar mit Puderzucker bestäubt. Wenn man hineinpustet, entweicht ein weisses Pulver, das den Rauch imitiert.

In der Schweiz sind sie leicht zu finden:

  • in einigen Kiosken,
  • online,
  • bei Ketten wie Gifi oder Denner.

Eine Packung «Kaugummi-Zigaretten», die wir an einem Kiosk im Kanton Waadt gekauft haben

Ist das in der Schweiz legal?

Ja, diese Produkte sind derzeit in der Schweiz legal. Und genau das gibt uns zu denken.

In mehreren Ländern sind diese Bonbons ausdrücklich verboten, insbesondere:

  • in Frankreich,
  • im Vereinigten Königreich,
  • in Kanada.

Diese Länder sind der Ansicht, dass diese Produkte indirekt das Rauchen bei Kindern fördern. Das WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums (das die Schweiz noch immer nicht ratifiziert hat) geht in die gleiche Richtung. In Artikel 13 empfiehlt sie, nicht nur direkte Tabakwerbung zu verbieten, sondern auch alle Produkte, die zur Normalisierung des Tabakkonsums beitragen: darunter auch Bonbons oder Spielzeug, die Zigaretten imitieren (1).

Warum ist das problematisch?

Diese Produkte geben uns aufgrund zweier wesentlicher Aspekte Anlass zu grosser Sorge:

  • ihr Aussehen: Sie ahmen bewusst die Zigarette nach,
  • ihre Zielgruppe: Sie richten sich hauptsächlich an Kinder.

Das Problem ist, dass diese Gegenstände keine einfachen Bonbons sind: Sie fördern ein bestimmtes Verhalten, indem sie Kinder dazu anregen, die mit dem Rauchen verbundenen Gesten nachzuahmen und die Zigarette in ihrer Vorstellung als etwas Normales, ja sogar Lustiges zu verankern. Mehrere wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass diese Produkte zur Normalisierung des Rauchens beitragen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen können, dass ein Jugendlicher später tatsächlich mit dem Rauchen beginnt.

Zudem sind diese Produkte in der Regel günstig (zwischen 1 und 2 CHF pro Packung) und werden unten in den Regalen, auf Kinderhöhe, angeboten, was sie für die Jüngsten (2–4 Jahre) besonders attraktiv macht.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen Bonbons und der Tabakindustrie?

Derzeit gibt es keine nachgewiesene oder offizielle Verbindung zwischen der Tabakindustrie und diesen Produkten. Doch diese Bonbons stellen für die Tabakkonzerne eine äußerst wirksame Form der Werbung dar: Sie führen Kinder schon sehr früh an die Idee des Zigarettenrauchens heran. Sie ahmen die Geste, die Ästhetik und das soziale Image nach und tragen dazu bei, ein Verhalten zu banalisieren, das nach wie vor eine der Hauptursachen für vermeidbare Krankheiten ist.

Und das betrifft direkt die historische Zielgruppe der Zigarettenhersteller. Denn die Tabakindustrie braucht junge Menschen, denn ohne sie ist sie nicht mehr viel wert.

Diese zynische Logik lässt sich leicht erklären: Junge Menschen stellen «die einzige Quelle für neue Raucher» dar (5), da die grosse Mehrheit der Raucher vor dem 18. Lebensjahr mit dem Rauchen beginnt (6-7).

Und die neue Schweizer Tabakgesetzgebung?

Angesichts der neuen Schweizer Gesetzgebung zu Tabakprodukten und E-Zigaretten könnte man erwarten, dass diese Art von Produkten davon betroffen ist. Das ist jedoch nicht der Fall, und diese Bonbons bleiben legal.

Das Bundesamt für Gesundheit stellt fest: „Bonbons in Form von Zigaretten oder Zigarren verharmlosen das Problem des Tabakkonsums und stellen daher aus Sicht der Tabakprävention ein Problem dar. Derzeit haben sich die politischen Entscheidungsträger zu diesem Thema noch nicht geäußert, und es wurde kein Auftrag zur Anpassung der Rechtsgrundlagen erteilt.“ (8)

Fazit

Zigaretten-Kaugummis und andere Bonbons, die Tabakprodukte imitieren, können nicht als gewöhnliche Gegenstände betrachtet werden.

Sie stellen dar:

  • indirekte Tabakwerbung,
  • eine Banalisierung des Rauchens,
  • ein Produkt, das eindeutig auf Minderjährige ausgerichtet ist,
  • ein Instrument der Normalisierung, das die Wahrscheinlichkeit eines späteren Tabakkonsums erhöhen kann.

Worauf warten wir noch, um diese Produkte in der Schweiz zu verbieten?

Quellen

(1) WHO FCTC Article 13

(2) Klein J, Clair S. Do candy cigarettes encourage young people to smoke? BMJ. 2000 Aug 5;321(7257):362–365. https://doi.org/10.1136/bmj.321.7257.362

(3) Klein J et al. Candy Cigarettes: Do They Encourage Children’s Smoking? Pediatrics (1992) 89 (1): 27–31. https://doi.org/10.1542/peds.89.1.27

(4) Klein J, Thomas R, Sutter E. History of childhood candy cigarette use is associated with tobacco smoking by adults. Preventive Medicine, Volume 45, Issue 1, 2007, https://doi.org/10.1016/j.ypmed.2007.04.006

(5) Burrows D. Younger Adult Smokers: Strategies and Opportunities. 1984. https://www.industrydocumentslibrary.ucsf.edu/docs/hjhj0045/

(6) Unisanté. Konsum, Prävention und Industrie. Abgerufen am: 20.08.2025. Verfügbar unter: https://www.unisante.ch/fr/promotion-prevention/tabagisme/consommation-prevention-industrie

(7) „For adults only“: Jugendliche im Visier der Tabakindustrie. Folge 1 – Jugendliche, die Tabakindustrie liebt euch! OxySuisse, 2025. https://transparencyandtruth.ch/wp-content/uploads/2025/10/251002-TNT-EPISODE1-DE-1.pdf

(8) Hauri, R. Meine Kinder wollen am Kiosk Kaugummi kaufen – und kehren mit Zigaretten zurück. 17.03.2026. Tages-Anzeiger. Verfügbar unter: https://www.tagesanzeiger.ch/kaugummi-zigaretten-fuer-schweizer-kinder-immer-noch-legal-768347126713