Webinar: Jugendliche als Ziel des Tabakmarketings
Kennen Sie Kaugummi-Zigaretten? Vielleicht haben Sie schon einmal davon gehört oder sie sogar als Kind gekaut. Aber wussten Sie, dass man sie immer noch heute in der Schweiz an vielen Kiosken und in Geschäften kaufen kann?
Dieses Produkt, das eindeutig Zigaretten imitiert, wirft jedoch wichtige Fragen auf, denn hinter seiner scheinbaren Unschuld verbirgt sich die Banalisierung des Rauchens bei Kindern.
Wovon sprechen wir genau?
Das Konzept hinter dem Produkt ist ganz einfach: Es handelt sich um Kaugummis oder Schokolade, die wie Zigaretten verpackt sind und in Pappschachteln verkauft werden, die bewusst wie typische Zigarettenschachteln aussehen.
In manchen Fällen sind die „Zigaretten“ sogar mit Puderzucker bestäubt, sodass beim Pusten ein weisses Pulver herauskommt, das den Rauch imitiert.
In der Schweiz sind die Kaugummi-Zigaretten leicht erhältlich. Man findet sie

Eine Packung «Kaugummi-Zigaretten», die wir an einem Kiosk im Kanton Waadt gekauft haben
Ist das in der Schweiz legal?
Ja, diese Produkte sind derzeit in der Schweiz legal. Und genau das gibt uns zu denken.
In mehreren Ländern sind diese Süssigkeiten ausdrücklich verboten, unter anderem:
Diese Länder sind der Ansicht, dass solche Produkte indirekt das Rauchen bei Kindern fördern. Das WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums (das die Schweiz noch immer nicht ratifiziert hat) geht in die gleiche Richtung. In Artikel 13 empfiehlt sie, nicht nur direkte Tabakwerbung zu verbieten, sondern auch alle Produkte, die zur Normalisierung des Tabakkonsums beitragen: darunter auch Süssigkeiten oder Spielzeug, welche Zigaretten imitieren (1).
Warum ist das problematisch?
Diese Produkte bereiten uns aus zwei Hauptgründen grosse Sorge:
Das Problem ist, dass diese Produkte keine einfachen Süssigkeiten sind. Sie fördern ein bestimmtes Verhalten, indem sie Kinder dazu anregen, die mit dem Rauchen verbundenen Gesten nachzuahmen und die Zigarette in ihrer Vorstellung als etwas Normales, ja sogar Lustiges zu verankern. Mehrere wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass diese Produkte zur Normalisierung des Rauchens beitragen und sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen können, dass ein Jugendlicher später sogar mit dem Rauchen beginnt.
Zudem sind diese Produkte in der Regel günstig (zwischen 1 und 2 CHF pro Packung) und werden in den unteren Regalfächern, auf Kinderaugenhöhe, angeboten, was sie für die Jüngsten (2–4 Jahre) besonders attraktiv macht.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen Bonbons und der Tabakindustrie?
Derzeit gibt es keine nachgewiesene oder offizielle Verbindung zwischen der Tabakindustrie und diesen Produkten. Doch diese Süssigkeiten stellen für die Tabakkonzerne eine äußerst wirksame Form der Werbung dar, denn sie führen Kinder schon sehr früh an die Idee des Zigarettenrauchens heran. Sie ahmen die Geste, die Ästhetik und das soziale Image nach und tragen dazu bei, ein Verhalten zu banalisieren, das nach wie vor eine der Hauptursachen für vermeidbare Krankheiten ist.
Und das betrifft direkt die traditionelle Zielgruppe der Zigarettenhersteller, denn die Tabakindustrie braucht junge Menschen, ohne sie ist sie nicht mehr viel wert.
Diese zynische Logik lässt sich leicht erklären: Junge Menschen stellen «die einzige Quelle für neue Raucher» dar (5), da die grosse Mehrheit der Raucher vor dem 18. Lebensjahr mit dem Rauchen beginnt (6-7).
Und die neue Schweizer Tabakgesetzgebung?
Angesichts der neuen Schweizer Gesetzgebung zu Tabakprodukten und E-Zigaretten könnte man erwarten, dass diese Art von Produkten ebenfalls davon betroffen ist. Das ist jedoch nicht der Fall, und diese Süssigkeiten bleiben legal.
Das Bundesamt für Gesundheit stellt fest: „Süssigkeiten in Form von Zigaretten oder Zigarren verharmlosen das Problem des Tabakkonsums und stellen daher aus Sicht der Tabakprävention ein Problem dar. Derzeit haben sich die politischen Entscheidungsträger zu diesem Thema noch nicht geäußert, und es wurde kein Auftrag zur Anpassung der Rechtsgrundlagen erteilt.“ (8)
Fazit
Zigaretten-Kaugummis und andere Süssigkeiten, die Tabakprodukte imitieren, können nicht als gewöhnliche Gegenstände betrachtet werden.
Sie repräsentieren:
Worauf warten wir noch, um diese Produkte in der Schweiz zu verbieten?
Quellen
(2) Klein J, Clair S. Do candy cigarettes encourage young people to smoke? BMJ. 2000 Aug 5;321(7257):362–365. https://doi.org/10.1136/bmj.321.7257.362
(3) Klein J et al. Candy Cigarettes: Do They Encourage Children’s Smoking? Pediatrics (1992) 89 (1): 27–31. https://doi.org/10.1542/peds.89.1.27
(4) Klein J, Thomas R, Sutter E. History of childhood candy cigarette use is associated with tobacco smoking by adults. Preventive Medicine, Volume 45, Issue 1, 2007, https://doi.org/10.1016/j.ypmed.2007.04.006
(5) Burrows D. Younger Adult Smokers: Strategies and Opportunities. 1984. https://www.industrydocumentslibrary.ucsf.edu/docs/hjhj0045/
(6) Unisanté. Konsum, Prävention und Industrie. Abgerufen am: 20.08.2025. Verfügbar unter: https://www.unisante.ch/fr/promotion-prevention/tabagisme/consommation-prevention-industrie
(7) „For adults only“: Jugendliche im Visier der Tabakindustrie. Folge 1 – Jugendliche, die Tabakindustrie liebt euch! OxySuisse, 2025. https://transparencyandtruth.ch/wp-content/uploads/2025/10/251002-TNT-EPISODE1-DE-1.pdf
(8) Hauri, R. Meine Kinder wollen am Kiosk Kaugummi kaufen – und kehren mit Zigaretten zurück. 17.03.2026. Tages-Anzeiger. Verfügbar unter: https://www.tagesanzeiger.ch/kaugummi-zigaretten-fuer-schweizer-kinder-immer-noch-legal-768347126713